Eigenleben führen. Schüttungen, die zwar
einfach aussehen, bedürfen viel Erfahrung,
um der Farbe auch den entsprechenden Platz
auf der Leinwand zuzuweisen. Der Zufall ist
in diesem Prozess inbegriffen. Die Künstlerin
reagiert auf ihn, spielt mit ihm, hat aber die
Bildregie fest in der Hand. Die Bilder wach-
sen, Formen entstehen, grafische Elemente
(manchmal auch mit Schablone gesprühte
Formen wie die Kreise im UG auf dem Bild
Utopie I) bringen auch wieder eine gewisse
Festigkeit und Strenge ins Malerische. So hält
die Künstlerin eine Balance aus Kontrasten,
Formen und Farben. Bildtiefe entsteht und
bricht sich wieder an der Flächigkeit einzelner
Formen, an den grafischen Setzungen und
Schüttungen.
Um zu verstehen, was für Ingeborg van Loock
ein Bild ist, müssen wir auch ihre Fotografien
betrachten, die sowohl als Einzelbilder
gedacht sind, aber auch in Kombinationen
mit Malerei gehängt und dann auch in diesen
Kombination zu verstehen sind. Um es gleich
zu sagen: diese Fotografien sind absolut
malerisch. Es ist ein Malen mit Licht. Auch hier
geht es nicht um die Darstellung der Realität.
Es ist uns aber bewusst, dass die Grundlage
der Fotografien Lichtreize aus der Realität sein
müssen. Sie sind verschwommen und unscharf
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und fokussieren damit auf die Qualitäten der
Malerei, auf Farbklänge und Schattierungen.
Die Fotografien sind Erscheinungen, die sich
neben den Gemälden als gleichberechtigte
und für den Betrachter inspirierende Partner
erweisen. Inspirierend insofern, als sie uns
neue Sehimpulse geben und unsere Wahrneh-
mung schärfen.
Lässt van Loock in ihren Gemälden mit Farbe
eine reale Welt entstehen, so lässt sie in
ihren Fotografien die reale Welt in farblichen
Lichtreizen zerfließen. Am Ende sind es Farbe
und Form - des Gemäldes wie der Fotografie
- worin sich beides trifft und befruchtet: eine
geschaffene und ein abgeleitete Realität.
Ingeborg van Loocks Arbeiten sind Bilder, die
uns die Wirklichkeit von zwei Seiten zeigen
und Bilder, die uns zeigen, was wir in der uns
umgebenden Wirklichkeit sehen und wahrneh-
men können.
HATE Hirlingers Arbeiten sind der geometri-
schen Abstraktion zuzuordnen. Hirlinger be-
zeichnet seine Arbeiten selbst als konstrukti-
vistisch und minimalistisch. Konstruktivistisch,
weil Grundlage seiner Arbeiten geometrische
Formen sind. Kasimir Malewitsch stellte 1915
zum ersten Mal ein „Schwarzes Quadrat auf
weißem Grund“ aus und sagte später darüber:
„Als ich 1913 den verzweifelten Versuch
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